Geschichte - Renchtal - Im Schwarzwald ganz vorn.

Das "freche Hus"

Das "freche hus" ist aus der Oberkircher Kulturszene nicht mehr wegzudenken.
Jedes Jahr suchen mehrere tausend Besucher die beliebte städtische Kleinkunstbühne auf und entspannen bei Konzerten, Theateraufführungen, Kino, Kabarett oder Vorträgen. Im Sommer lockt die direkt an das Haus angegliederte Freilichtbühne zu Open-air-Veranstaltungen.

Dieses Haus ist das Elternhaus des Advokaten Frech, der sich in der Badischen Revolution 1848/49 besonders hervorgetan hat. Die Rückseite des Hauses ist an die damalige innere Stadtmauer angebaut, eine Schießöffnung ist noch zu sehen. Im Sommer finden im Garten dieses Hauses an der Stadtmauer Freilichttheater sowie Kleinkunstveranstaltungen statt. Im Eckbalken zum Mühlbach hin steht geschrieben, dass dieses Haus nach der Zerstörung der Stadt im Jahre 1696 durch Mathis Gebert erbaut und 1989/90 durch die Stadt erworben, renoviert und seither für kulturelle Zwecke verwendet (u. a. Burgbühne, Kommunales Kino, Kleinkunst) wird.

Kloster Allerheiligen

Wallfahrtskirche Mariä Krönung

Die Wallfahrtskirche "Mariä Krönung" wurde von 1471 bis 1488 als größerer und ausgesprochen kostbarer Nachfolgebau über der uralten Wallfahrtsstätte errichtet. Sie wird häufig als "wahres Juwel spätgotischer Sakralbaukunst" bezeichnet. Dies trifft sicherlich zu, aber sie ist viel mehr als nur ein einmaliges Denkmal vom Kunstverständnis unserer Vorfahren. Sie ist ein unverfälschtes und lebendiges Zeugnis des Glaubens und der Frömmigkeit der Talbewohner und der Wallfahrer. Trotz verschiedener außergewöhnlicher Bauteile (Gnadenkapelle und Lettner) überrascht der Innenraum durch vollkommene Harmonie. Diese Wirkung ist das Resultat der unveränderten Bausubstanz und der nahezu vollständigen Originalausstattung. Der Kunstfreund findet hier auf engstem Raum erlesene Meisterwerke der Architektur.

Der Baumeister Hans Hertwig hat hier Räume mit Netzgewölben gestaltet, die ihresgleichen suchen. Mit den Steinmetzarbeiten von höchstem Rang, die den Einfluss von Niclas Gerhaerdt nahelegen, wird die Vornehmheit des Bauwerkes noch erhöht (Hauptportal, Gnadenkapelle, Lettner, Netzgewölbe mit Schlusssteinen, Maßwerke der Fenster). Die drei Flügelaltäre gehören mit ihren Skulpturen und Gemälden zu den Spitzenleistungen ihrer Zeit. Der Hochaltar (Weihe 1483) nimmt in der Fachliteratur wegen der einzigartigen Kombination aus besten Meisterwerken der Schnitzkunst und der Malerei eine Sonderstellung ein. Die beiden Seitenaltäre unter dem Lettner stehen dem Hochaltar in künstlerischer Qualität und theologischer Aussage ebenbürtig zur Seite. Bis heute ist es noch nicht gelungen, die Künstler unserer Altäre mit letzter Sicherheit zu identifizieren. Die reiche Fachliteratur nennt nur klangvolle Namen als mutmaßliche Schöpfer. Eine nahezu einmalige Kostbarkeit sind die 59 prächtigen Glasbilder in den Fenstern unserer Kirche. Es handelt sich dabei größtenteils um Stifterscheiben, die zwischen 1482 und 1488 in den Werkstätten des berühmten Peter Hemmel in Straßburg entstanden sind.

 

Oppenauer Stadttor

Im Zuge der Stadterweiterung und anstelle des bis dahin in der Stadtmauer eingebundenen Stadttors auf Höhe des Restaurants “O Sole mio“, wurde das obere Stadttor 1782 als Schwabentor erbaut. Das untere Stadttor befand sich auf Höhe des heutigen Schuhhauses Hodapp.

Das Tor trägt das Wappen der Fürstbischöfe Rohan von Straßburg, seitlich befindet sich das sogenannte Ausschellerhäusle (ehemals Zoll- Torwärterhäuschen).

Heute ist das Stadttor einbeliebter Treffpunkt der Oppenauer Narren und dies nicht nur zur Fasentszeit.

 

Heimat- und Grimmelshausenmuseum

Auf drei Stockwerken präsentiert sich die Oberkircher Stadtgeschichte, das alte Handwerk und Brauchtum zu den unterschiedlichsten Epochen.

Interessanter Schwerpunkt des Museums ist der Lebensweg des Barockdichters Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen, der seinerzeit mehrere Jahre in der Renchtalmetropole zubrachte und hier wohl auch sein größtes Werk, den "Simplicissimus", entstehen ließ.

 
 

"Wer in der Gegenwart die Vergangenheit vergisst, wird die Zukunft nicht meistern."

Ganz im Sinne dieser Grunderfahrung richtete die Stadt Oberkirch im Jahre 1991 im alten Rathaus das "Heimat- und Grimmelshausenmuseum" ein. Das "alte" Rathaus wurde noch unter fürstbischöflich-straßburgischer Herrschaft im Jahre 1802 als multifunktionales Gebäude für Schule, Rathaus, Markthalle, Wirtshaus und Wohnungen erbaut.

Die Präsentation in neuen und großzügigeren Räumen wurde möglich, weil die Stadt im ehemaligen Waisenhaus "St. Gebhard" ein modernes Verwaltungszentrum einrichten konnte.

 

Hans Jakob Chrisoph von Grimmelshausen

Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen, Sohn eines Bäckers, ist vermutlich am 17. März 1621 in der kleinen Stadt Gelnhausen, nordöstlich von Frankfurt am Main geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters heiratete seine Mutter erneut und zog durch ihre Heirat nach Frankfurt am Main. Grimmelshausen blieb bei seinen Großeltern in Gelnhausen.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges kam Grimmelshausen an den Oberrhein und diente unter dem kaiserlichen Regiment des Grafen Götz als Musketier. Da das kaiserliche Regiment scheiterte, trat Grimmelshausen in Offenburg dem Regiment des Freiherrn Hans Reinhard von Schauenburg bei, um die bedrohte Reichsstadt Offenburg zu verteidigen. Nach erfolgreicher Verteidigung begann Grimmelshausen 1645 als Schreiber in der Regimentskanzlei des Obristen von Schauenburg in Offenburg. Drei Jahre später wurde er Kanzleisekretär im Regiment Obrist Eltner in Bayern bei Wasserburg/Inn.

Am 30. August 1649 heiratete Grimmelshausen die sieben Jahre jüngere Catharina Henninger, die Tochter eines recht wohlhabenden Wachtmeisterleutnants. Noch im gleichen Jahr übernahm er die Stelle des Schaffners (Verwalters) in Gaisbach. Rund vier Jahre später erwirbt Grimmelshausen die Spitalbühnd und erbaut darauf zwei Häuser, den „Silbernen Stern“ sowie das ehemalige Rathaus. Ab 1665 versuchte er sich zwei Jahre lang als Gastwirt im „Silbernen Stern“. Während dieser Zeit widmete sich Grimmelshausen seiner literarischen Arbeit und veröffentlichte auch einige seiner Schriften. Der Barockdichter schrieb eines seiner bekanntesten Werke, „Der Abentheurliche Simplicissimus“, in Oberkirchs Stadtteil Gaisbach. Die Erstausgabe des Werkes von 1669 lässt sich im Heimat- und Grimmelshausenmuseum begutachten.

Ruine Schauenburg

Von Westen kommend, befindet sich die mächtige Burgruine Schauenburg auf der linken Seite des Taleingangs.

Der Name der Burg stammt aus dem Althochdeutschen „scouwon“ bzw. dem Mittehochdeutschen „schouwen“ im Sinne von schauen oder spähen.

Herzog Berthold II. von Zähringen war der Bauherr dieser Burg, der diese Festung 1070 - 1090 über dem Renchtal erbauen ließ. Dadurch konnte der Herzog die wichtige West-Ost-Verbindungsstraße durch das Renchtal über den Kniebis nach Württemberg kontrollieren. Durch ihre Konstruktion – ein Schutzwall gegen Osten und ein Burggraben im Westen – zählt die Schauenburg zu den schönsten Burgen des 13. Jahrhunderts. In den Erbfolgekriegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Burg stark beschädigt, jedoch lässt sich keine genaue Aussage machen, wann die Burg zur Ruine wurde. Frühestens im Jahre 1703 und spätestens im Jahre 1731. 1703 wurde im Zuge eines Krieges nämlich noch Korn auf der Burg gelagert.

 
 

Nachdem die Burg von Herzog Berthold II. von Zähringen gebaut wurde, geht sie durch die Heirat seiner Tochter, Luitgarde von Zähringen, mit Gottfried Pfalzgraf von Calw auf die Grafen von Calw und Eberstein über. Im Jahre 1131 bringt Herzogin Uta von Schauenburg die Burg, die sie von ihrem Vater, Gottfried von Calw, erbt, mit in die Ehe mit Herzog Welf VI., einem Bruder Heinrichs des Stolzen von Bayern. Welf, erst 18-jährig, gerät in Streit mit Uta's Vetter, dem Grafen von Calw, welcher die Burg mit Verbündeten belagert. Rund 2 Jahre später wird die Belagerung, durch Kaiser Lothar wieder aufgehoben. Herzogin Uta trennt sich von Welf VI und ihr Vetter, Eberhard von Eberstein, erbt die Burg. Ab ca. 1250 sind die Ritter von Schauenburg die eigentlichen Herren der Burg, sie gelten als die Vorfahren der heutigen Familie von Schauenburg. Von 1650 bis 1661 wird Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen, der Dichter des "Simplicius Simplizissimus", der Verwalter und auch zeitweise Burggraf der Schauenburg. Ab 1659 übernimmt das Schloss in Gaisbach den Unterhalt für die Burg. Heute genießt man von der Schauenburg aus einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und die Rheinebene bis nach Straßburg.