Nationalpark News - Renchtal - Im Schwarzwald ganz vorn.

Ruhezonen für große Wildtiere: Ein Drittel des Nationalparks ist jetzt jagdfrei

Rat hat dem Konzept Ende 2018 zugestimmt /
Neue Regelung gilt seit 1. August dieses Jahres

Ein Drittel des Nationalparks – zirka 3000 Hektar – ist jetzt jagdfrei. Für Friedrich Burghardt, Leiter des Wildtiermanagements im Nationalpark, ein Meilenstein. „Das wichtigste Ziel eines Nationalparks – ‚Natur Natur sein lassen‘ – muss auch für die großen Wildtiere gelten“, erklärt er. Nach internationalen Kriterien für Nationalparks darf der Mensch sogar auf Dreiviertel der Fläche nicht mehr eingreifen. „Also natürlich auch nicht mehr jagen“, sagt Burghardt. Wie alle deutschen Nationalparks ist allerdings auch der im Schwarzwald ein sogenannter Entwicklungsnationalpark und hat bis 2044 Zeit, diese Forderung zu erfüllen.

„Wir liegen in einem sehr dicht besiedelten Gebiet, sodass wir in diesem Prozess viele Interessen, vor allem auch die Sorgen der Anrainer, berücksichtigen müssen“, erklärt Thomas Waldenspuhl, einer der beiden Nationalparkleiter. „Darum können wir uns dem großen Ziel nur schrittweise nähern.“ In den vergangenen fünf Jahren hat Burghardt mit seinem Team umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen gemacht und begleitet. Gleichzeitig nahm das Kapitel Wildtiermanagement im Nationalparkplan Gestalt an – Ende 2018 stimmte der Nationalparkrat zu.

„Mittelfristig wird schon dieser erste Schritt dazu führen, dass die Tiere weniger scheu werden“, sagt Burghardt. „Das bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass unsere Gäste sofort mehr Rehe oder Hirsche sehen werden“, ergänzt Waldenspuhl. Im Nationalpark gibt es nur sehr wenige Bereiche, wie offene Wiesen, an denen Besucherinnen und Besucher die großen Wildtiere aus der Distanz beobachten können. „Wir sind aber gerade dabei einige Beobachtungsstellen einzurichten“, verrät Burghardt.

Auch unabhängig von diesen sichtbaren Effekten ist die jagdfreie Zone für ihn ein absolutes Herzensanliegen. „Bisher haben wir in unserem reichen Bundesland keine großflächigen Bereiche – außerhalb umzäunter Wildparks –, in denen wir Hirsche, Rehe und Wildschweine vom Menschen unbehelligt leben lassen“, erklärt der Wildtiermanager.

Hintergrund
Im Nationalparkplan, Betriebshandbuch des Nationalparks, gibt es ein eigenes Kapitel Wildtiermanagement, in dem der Umgang mit den großen Wildtieren Hirsch, Reh und Wildschwein, sowie ihren möglichen Beutegreifern Luchs und Wolf, geregelt ist. Der Nationalparkrat hat dem Konzept – Einstellung der Jagd auf Dreiviertel der Fläche in drei Schritten – Ende 2018 zugestimmt. Erster Schritt ist die jagdfreie Zone auf rund einem Drittel der Fläche. Bis zum Jahr 2030 wird der zweite Schritt entwickelt; dann soll im überwiegenden Teil, also auf mindestens 51 Prozent der Fläche, nicht mehr in die Wildtierpopulation eingegriffen werden. Bis zum Jahr 2044 sollen dann 75 Prozent der Fläche (7500 ha) jagdfrei sein (dritter Schritt).

Die Umsetzung des Konzepts erfolgt in enger Abstimmung mit den benachbarten Gemeinden, Kommunen und Privatwaldbesitzern sowie Vereinen und Verbänden aus den Bereichen, Naturschutz, Jagd und Tourismus. Gleichzeitig entwickelt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt eine Rotwildkonzeption für den gesamten Nordschwarzwald (zirka
100 000 Hektar). Weitere Informationen zum Wildtiermanagement und dem umfangreichen



www.nationalpark-schwarzwald.de/de/nationalpark/aufgaben-ziele/wildtiermanagement/
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